Außergewöhnlicher Umstand

Wann habe ich keinen Anspruch auf die EU-Ausgleichszahlung (Entschädigungsanspruch)

Das Recht auf einen EU-Ausgleichsanspruch (Entschädigungsanspruch) besteht nicht, wenn ein sogenannter außergewöhnlicher Umstand vorliegt, der für das Flugvorkommnis verantwortlich ist. Was ein außergewöhnlicher Umstand sein kann und welche genauen Auswirkungen ein außergewöhnlicher Umstand hat, möchten wir Ihnen folgend erklären:

Was sind außergewöhnliche Umstände (höhere Gewalt)

In der EU-Fluggastrechteverordnung selbst werden außergewöhnliche Umstände nicht definiert. Die Verordnung hat aber vorab einige „Erwägungsgründe“ dargestellt, aus denen Beispiele hervorgehen. So können zum Beispiel politische Instabilität, konkrete Wetterverhältnisse, Sicherheitsrisiken oder Arbeitsniederlegungen einen außergewöhnlichen Umstand darstellen. Dabei wird aber auch klargestellt, dass die entsprechende Fluggesellschaft alle ihr zumutbaren Maßnahmen treffen muss, um ein Flugvorkommnis zu verhindern. Wir möchten Ihnen die häufigsten außergewöhnliche Umstände kurz darstellen:

Wetter In den Erwägungsgründen der Fluggastrechteverordnung steht geschrieben, dass Wetterbedingungen einen außergewöhnlichen Umstand darstellen können. Deswegen verneinen Fluggesellschaften den EU-Ausgleichanspruchs (Entschädigungsanspruch) mit Vorliebe unter Verweis auf vermeintlich meteorologische Ursachen. Das kann im Einzelfall natürlich auch zutreffen. Eine Vulkanaschewolke kann wohl, genauso wie ein Blizzard, als höhere Gewalt und damit als außergewöhnlicher Umstand gelten. Wir überprüfen diese Angaben der Fluggesellschaften aber sehr kritisch. Oft stellt sich dann heraus, dass tatsächlich keine derart schlechten Bedingungen herrschten oder die tatsächlich schlechten Bedingungen nicht ursächlich für das Flugvorkommnis gewesen sind. Dann haben Sie weiterhin das Recht auf Ihren EU-Ausgleichanspruch.
Streik Auch der Streik wird in den Erwägungsgründen der Fluggastrechteverordnung genannt. Grundsätzlich können Arbeitsniederlegungen einen außergewöhnlichen Umstand darstellen. Dennoch sind auch hier die Fluggesellschaften in der Pflicht, alle zumutbaren Maßnahmen zu treffen, um ein Flugvorkommnis zu vermeiden.
Technischer Defekt Gerne berufen sich Luftfahrtunternehmen auf einen außergewöhnlichen Umstand aufgrund eines unerwarteten technischen Defekts. Dieser sei trotz bester Wartung nicht zu vermeiden gewesen, sodass Ihr Wunsch nach einem EU-Ausgleichanspruch (Entschädigungsanspruch) abgelehnt wird. Dem ist aber nicht so. Höchstgerichtlich ist entschieden, dass technische Ursachen regelmäßig der Fluggesellschaft zuzurechnen sind und keinen außergewöhnlichen Umstand darstellen.
Auf welche EU-Ansprüche wirkt sich ein außergewöhnlicher Umstand aus

Außergewöhnliche Umstände wirken sich immer nur auf den EU-Ausgleichsanspruch (Entschädigungsanspruch) aus. Andere Ansprüche, wie etwa Betreuungsleistungen, haben die Fluggesellschaften im Falle eines Flugvorkommnisses immer zu erbringen.

Halten sich die Fluggesellschaften immer daran

Leider nein! Viele Fluggesellschaften verweigern den Passagieren schlichtweg ihre Ansprüche und verletzen dadurch europäisches Recht. Eine Erhebung der Europäischen Kommission aus dem Jahr 2013 zum Beispiel hat ergeben, dass lediglich 2 bis 4 % der Fluggäste einen EU-Ausgleichsanspruch (Entschädigungsanspruch) auch tatsächlich erhalten haben. Außerdem haben nur 20 % der Fluggäste überhaupt eine Antwort auf eine eingereichte Beschwerde erhalten.

Wer beurteilt, ob ich einen Anspruch habe

Zunächst obliegt die Beurteilung natürlich dem Luftfahrtunternehmen. Es entscheidet, ob von sich heraus der EU-Ausgleichsanspruch (Entschädigungsanspruch) gezahlt wird oder nicht. Wie schon beschrieben, ist das eigentlich nie der Fall. In solchen Fällen kommen unsere Vertragsanwälte und wir ins Spiel. Oft hilft schon unser erstes Anschreiben, um die gesamte Angelegenheit ins Rollen zu bringen. Denn die Fluggesellschaften wissen genau - wenn unsere Forderungen nicht beglichen werden, dann klagen wir. Am Ende des Tages entscheidet somit ein Gericht, ob der EU-Ausgleichsanspruch (Entschädigungsanspruch) berechtigt ist oder nicht.

Was kann ich selbst unternehmen, um meinen Anspruch auf die EU-Ausgleichszahlung (Entschädigungsanspruch) zu verfolgen

Die einfachste Lösung für Sie ist natürlich, uns direkt nach einem Flugvorkommnis zu beauftragen. In diesem Fall haben Sie Ihre Ruhe und wir kümmern uns um den Rest. Natürlich können Sie sich natürlich selbst an die Fluggesellschaft wenden und Ihren EU-Ausgleichsanspruch (Entschädigungsanspruch) verlangen. Bitte vergessen Sie in diesem Fall aber nicht, eine Frist zu setzen. Seien Sie hierbei ruhig großzügig und räumen Sie dem Luftfahrtunternehmen mindestens drei Wochen ein. Sollten Sie nach drei Wochen keine befriedigende Antwort erhalten haben, können Sie uns immer noch beauftragen.